Eine Geschichte über die Angst vor Sinnlosigkeit

In einer Welt voller Hass und Leid braucht es eine spärlich beleuchtete Stube, eine Zigarre, wohlklingende Klaviermusik, einen warmen Sessel, ein loderndes Karmin, in dem das leise unrhythmische Knacken des verkohlten Holzes hin und wieder die sanften Töne unterbricht. Hier fühlt er sich wohl. Theodor Rufus war ein toller Mann. Elegant saß er da. Die Welt war friedlich.

Wenn nicht sein Angestellter Bressler jetzt an der Zimmertüre klopfte. Wieso ausgerechnet jetzt? In diesem Moment der Vollkommenheit, in dem er so glücklich war. Dieser Moment der Perfektion ungewollt beendet. Das Klopfen wurde lauter. „Also gut“ dachte sich Theodor. „Herein“.

Langsam und quietschend öffnete sich die alte Holztür. Ein kalter Luftzug kündigt einen Störenfried an. Dieser schritt langsam auf dem knarrenden Parkettboden in das Zimmer. Etwas verärgert begrüßte Theodor den Hereinkommenden: „Abend“. Keine Antwort. Das störte ihn nicht. Er genoss die Ruhe, setzte seine Lesebrille ab und schlug das schwere Buch in seinen Händen zu, nahm einen Zug von seiner Zigarre und blickte langsam in Richtung Eindringling. Er ist etwas überrascht von dem auf ihn gerichteten silberglänzenden Revolver.

Theodor musterte den Mann, der vor ihm stand. Ist es ein Mann? Er konnte es nicht erkennen, da dieser, bis auf einen kleinen Schlitz, durch den die von Leidenschaft erfüllten Augen zu erkennen waren, vollständig vermummt ist. Bressler war es nicht, das wusste er. Doch die Person, die vor ihm stand, war zu allem entschlossen. Sie würde alles tun, um das zu bekommen, was sie wollte. Angst machte sich in ihm breit. Wie ein Gift, das langsam und gnadenlos seine Adern verseuchte. Ihm fiel das Buch aus den Händen, das mit einem lauten Knall auf den Boden schlug. Theodor zuckte zitternd zusammen. Seine flachen Atemzüge wurden schneller, und sein Herz spielte verrückt. Er konnte nur auf die totbringende Waffe vor seinen Augen starren. Die Musik war verstummt, und die trostlose Stille wurde allmählich lauter.

Die tiefe, raue Stimme des Fremden durchschnitt den Raum: „Das Leben ist wie eine endlose, hoffnungslose Wüste, in der Menschen umherirren, ohne Oasen der Bedeutung oder Erfüllung. Glück oder Leid. Hass oder Liebe. Leben oder Tod. Sinnlos; irrelevant.“ Der Fremde verstummte. „Sag mir, Theodor. Was ist dein Sinn?“

English:
In a world full of hatred and suffering, a dimly lit room, a cigar, melodious piano music, a warm armchair, and a blazing hearth where the soft crackling of charred wood occasionally interrupts the gentle tones is needed. Here he feels comfortable. Theodor Rufus was a great man. Elegantly, he sat there. The world was peaceful.

If only his employee Bressler didn’t knock on the door at that moment. Why now, of all times? In this moment of perfection, when he was so happy. This moment of perfection unintentionally interrupted. The knocking grew louder. „Alright then,“ Theodor thought. „Come in.“

Slowly and creakily, the old wooden door swung open. A cold draft heralded his intruder. He slowly walked on the creaking parquet floor into the room. Somewhat annoyed, Theodor greeted the intruder, „Good evening.“ No response. It didn’t bother him. He enjoyed the quiet, took off his reading glasses, closed the heavy book in his hands, took a puff of his cigar, and slowly looked towards the intruder. He was somewhat surprised by the shiny silver revolver aimed at him.

Theodor surveyed the man standing before him. Is it a man? He couldn’t tell, as this person, apart from a small slit revealing passionate eyes, was fully veiled. It wasn’t Bressler, he knew that. But the person standing before him was determined to do anything. They would do anything to get what they wanted. Fear crept over him. Like a poison slowly and relentlessly infecting his veins. The book fell from his hands, hitting the floor with a loud thud. Theodor flinched with a shiver. His shallow breaths quickened, and his heart raced. He could only stare at the deadly weapon before his eyes. The music had ceased, and the desolate silence was gradually becoming louder.

The deep, harsh voice of the stranger cut through the room: „Life is like an endless, hopeless desert, in which people wander without oases of meaning or fulfillment.“ „Happiness or suffering. Hatred or love. Life or death. Meaningless; irrelevant.“ The stranger fell silent. „Tell me, Theodor. What is your purpose?“

Antwort

  1. Avatar von Angelus

    Höchst angenehm und inspirierend.

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