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Vor kurzem bin ich von meiner siebenwöchigen Reise durch den Süden Perus zurückgekehrt. Wenn man unsere Zeit in „La Tortuga“, einem Fischerdorf, dazuzählt, waren es sogar über zwei Monate. Also die längste Reise meines Lebens, und es gibt viel zu erzählen.
Am 6. Januar, nach einem aufregenden Weihnachten und Silvester, ging es los nach La Tortuga, einem wunderschönen, aber auch sehr armen Fischerdorf an der nördlichen Küste Perus, da hier eine „Außenstelle“ von CANAT war. Hier verbrachten Timon, Sandro, Christian (ein ehemaliger Freiwilliger und momentaner Mitbewohner) und ich eine Woche, um mit den Kindern täglich Fußball und andere Spiele zu spielen – in relativ prekären Verhältnissen. Wir hatten nur etwas Trinkwasser zur Verfügung und mussten sonst alles mit Wasser, das wir täglich vom Meer holten, kochen, waschen und putzen. Es war eine anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit, da ich viel Zeit am Meer verbrachte und sogar eine Nacht mit Schlafsack am Strand schlief. Außerdem habe ich dort das erste Mal mehr oder weniger freiwillig ein Hühnchen ausgenommen, was eklig und interessant zugleich war.







Nach ein paar Tagen zurück in Piura, in denen wir die letzten Vorbereitungen trafen, brachen wir am 16. Januar in die Hauptstadt Lima auf. Nach einer langen, 19-stündigen Busfahrt waren wir schier überwältigt von der Größe. Wir fuhren allein zwei Stunden durch die riesige Stadt, die mit zwölf Millionen Menschen knapp ein Drittel aller Einwohner Perus umfasst. Wir übernachteten in Miraflores, einem sehr reichen Stadtteil, und lernten eine ganz andere Seite Perus kennen, denn der Lebensstil hier war sehr vergleichbar mit dem deutschen Standard. Wir unternahmen viel, aßen sehr gute Pizza, besuchten Larcomar, Barranco und eine archäologische Stätte, die Spuren mehrerer indigener Kulturen aufweist, und schlossen neue Bekanntschaften.










Nach drei Nächten lag die beschwerliche, 25-stündige Busfahrt in den Touristen-Hotspot Cusco vor uns. Wir hatten nur kurze Sachen an und fuhren zwischenzeitlich auf über 4000 m, weshalb es sehr kalt wurde. Die nie endenden Serpentinen lösten in mir ein starkes Übelkeitsgefühl aus, und andere im Bus mussten sich sogar übergeben. Trotz dieses eher weniger glimpflichen Starts war die Zeit für mich das Highlight der gesamten Reise. Dadurch, dass wir in Hostels übernachteten, hatten wir das erste Mal wieder so richtig Kontakt mit Nicht-Peruanern, was eine tolle Abwechslung war, besonders das Englischsprechen. Wir suchten stets nach den billigsten Angeboten und landeten schließlich in einem Party-Hostel, wo wir die ersten Nächte nicht viel Schlaf fanden. Völlig übermüdet traten wir dann die Tour zu den Montañas de Colores an. Es war eine beeindruckende Aussicht, und ich bestieg das erste Mal in meinem Leben einen 5000er. Allerdings hatte mich das alles und zusätzlich die Höhe Cuscos (3400 m) schon sehr mitgenommen, weshalb ich am nächsten Tag, als eigentlich um 4:30 Uhr unsere Salkantay-Tour hätte beginnen sollen, mit sehr hohem Fieber und anderen Erkältungssymptomen aufwachte und deshalb nicht mitkonnte. Der Salkantay-Trek ist eine sehr teure, viertägige, anspruchsvolle Wanderung zum Machu Picchu. Dass ich das Geld nicht erstattet bekam und dieses Highlight Perus verpasste, ärgerte mich sehr. Doch es half ja alles nichts, und letztendlich konnte ich mit Hilfe von Antibiotikum und Ibuprofen wenigstens noch Machu Picchu sehen, was atemberaubend war.
























Nach dem Abschied zweier Schweizer, mit denen ich mich wirklich sehr gut verstand und die ich jedenfalls wieder treffen will, führte uns der Weg nach Puno. Eine Stadt noch weiter im Süden am Titicacasee, auf 3800 m gelegen. Obwohl wir schon an die Höhe Cuscos gewöhnt waren, fiel uns der Unterschied trotzdem auf. Timon und Sandro machten einen Ausflug zu einigen Inseln auf dem See, und ich nutzte den Tag, um mich noch etwas auszuruhen und mit einem Freund, den ich bereits in Cusco kennengelernt hatte, den riesigen Karneval zu bestaunen. Stundenlang liefen verschiedene Gruppen mit hunderten von Tänzern und Tänzerinnen vorbei – und das in der prallen Sonne. Am darauffolgenden Tag bleichte und färbte ich mir die Haare, weil ich das schon länger machen wollte, und wir besuchten einen hochgelegenen Punkt, von dem aus man über die ganze Stadt und Teile des Sees blicken konnte.





Am selben Tag stiegen wir dann noch in den Bus, der uns mit einer kurzen, zwölfstündigen Fahrt nach Arequipa, der zweitgrößten Stadt Perus, brachte. Dort spielten wir viel Billard, machten eine Tour zu einer riesigen Schlucht und schauten uns die „Sillias“ an. Das ist ein Steinbruch, in dem viele verschiedene aus Stein gemeißelte Statuen zu betrachten sind.





Nicht viele Tage später fanden wir uns in Huacachina, einer Oase neben Ica, wieder, wo ich meinen Geburtstag verbrachte. Wir rasten mit Buggys durch die Wüste, waren Sand-Skifahren, bewunderten den Sonnenuntergang und schauten anschließend den Super Bowl.




Unser vorletzter Stopp war dann an der Küste in Paracas, wo wir mit Leihfahrrädern ein nahegelegenes Reservat erkundeten. Dort widerfuhr mir ein unglücklicher Unfall, weshalb ich ins Krankenhaus nach Pisco musste. Es war schon relativ spät abends, und ich wartete einige Zeit auf meine Behandlung, weil der Doktor mit dem Opfer eines Attentats, das mehrere Schüsse in Kopf, Schulter und Hals erlitt, beschäftigt war. Letztendlich hatte ich einige Schürfwunden und einen stark geschwollenen Fuß, bei dem nicht festgestellt werden konnte, was genau vorlag, da kein MRT im Krankenhaus vorhanden war. Jedenfalls war es kein Bruch. Ich konnte dann mehrere Tage nicht auftreten und kann ihn bis heute nicht stark belasten.




Schließlich kehrten wir nach Lima zurück, wo wir eine Nacht verbrachten, bevor es zum Zwischenseminar etwas außerhalb der Stadt ging.
Das Zwischenseminar ist eines der von Weltwärts verpflichtenden Seminare, bei dem man nach etwa der Hälfte seines Freiwilligendienstes über die bisherigen Erfahrungen reflektiert und sich auf die verbleibende Zeit vorbereitet. Es dauerte acht Tage und fand auf einem wunderschönen Gelände statt – sogar mit Pool, in dem wir uns an heißen Tagen abkühlen konnten. Mit nur zwölf Teilnehmern waren wir eine recht kleine Gruppe, verstanden uns aber sehr gut und konnten intensiv über viele verschiedene Themen sprechen. Besonders spannend fand ich die Diskussion über Individualismus und Kollektivismus, insbesondere den starken Kontrast zwischen Deutschland und Peru. In Deutschland verlässt man sich deutlich mehr auf den Staat, der Sicherheit durch Rentenversicherung, Krankenversicherung und Polizei gewährleistet. In Peru hingegen spielt der Staat eine untergeordnete Rolle, und Sicherheit wird vor allem durch Familie und Freunde sichergestellt. Das zeigt sich auch in der großen Bedeutung des informellen Sektors.





Doch auch nach dem Seminar war unsere Reise noch nicht zu Ende. Wir verbrachten eine Woche in Pampa Cangallo, einem kleinen Ort in der Nähe von Ayacucho. Dort waren wir bei zwei Jesuiten untergebracht und halfen bei der Feldarbeit, der Versorgung der Tiere und dem Wiederaufbau der durch Starkregen beschädigten Ludoteca. Die Nächte waren kalt, und manchmal regnete es sogar ins Haus. Trotzdem war es eine wunderbare Zeit, denn der naturverbundene und sorgenlose Lebensstil der Jesuiten stellte eine willkommene Abwechslung dar.







Unsere Rückfahrt dauerte ganze 36 Stunden – in etwa so lange wie die Reise von meinem Zuhause in Deutschland nach Piura. Angesichts der deutlich kürzeren Distanz war das wirklich unglaublich, aber mittlerweile hatten wir uns an die langen Fahrzeiten gewöhnt. Es war aufregend, wieder nach Piura zurückzukehren, und inzwischen haben wir uns erneut gut eingelebt – sowohl zu Hause als auch in der Arbeit. Bald startet die Ludoteca wieder, diesmal mit mehr als doppelt so vielen Kindern. Die Verantwortung wird nun erstmals zu großen Teilen bei Timon, Sandro und mir liegen – eine spannende und herausfordernde Aufgabe, über die ich auf jeden Fall noch berichten werde. Mein Spanisch ist schon viel besser geworden und ich freue mich darauf das Beste aus der verbleibenden Zeit hier zu machen.
Danke fürs Lesen! Bis zum nächsten Mal.

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